Die längenbasierten Daten in der Produktdatei werden auf die Länge am Messort der Dateierzeugung abgebildet. Die Streckung erfolgt dynamisch anhand der konfigurierten Ein- und Auslauflängen der Messorte iterativ, d. h. beginnend mit dem Messort der Dateierzeugung betrachtet ibaQDR jeweils schrittweise den vorherigen Messort, streckt die Daten davor ggfs. entsprechend und verfährt so bis zum ersten Messort der Anlage.

Im folgenden realen Beispiel einer Beiz-Tandemlinie sind in den Trendkurven auf der linken Seite zeitbasierte Signale eines Produktcoils (ibaQDR-DAT-Datei) und auf der rechten Seite die Signale längenbezogen dargestellt. Die ersten fünf Signalstreifen zeigen Signale aus verschiedenen Messorten der Anlage (vgl. Referenz-Pfeile zum Anlagenschema) und im letzten Signalstreifen werden die Längensignale der Materialverfolgung dargestellt.

Am Verlauf der Längensignale ist zu sehen, dass die Anlage mit verschiedenen Geschwindigkeiten gefahren wird und dass es im hinteren Tandembereich zu einer erheblichen Bandverlängerung kommt. Aus einem Einsatzprodukt mit einer Länge von ca. 600 m entsteht am Ende ein Fertigprodukt mit 3000 m Länge wobei sämtliche Messwerte genau auf die Fertigproduktlänge abgebildet werden.

Genau diese längenbezogene Darstellung für das Fertigprodukt ist für die Qualitätsbeurteilung am Ende erforderlich. Es muss ermittelt werden, an welcher Position im Fertigprodukt welche Werte gemessen wurden, um z. B. für einen Nachbearbeitungsschritt vorzugeben, welche Bandabschnitte aufgrund von Toleranzverletzungen herauszuschneiden sind oder zu ermitteln, wie viele Bandmeter an welchen Stellen außerhalb der Produktspezifikation liegen.

Die folgenden Signalstreifen zeigen ein (theoretisches) Beispiel zur Bandverlängerung.

Das Produktcoil ist 12 m lang. Der erste Signalstreifen zeigt die Längensignale an der Auslaufschere, aufgetragen über die Auslauflänge (x-Achse).

Einlauflänge (blau) und Länge an der Auslaufschere (rot) sind deckungsgleich. Die rote Kurve verdeckt daher die blaue. Das grüne Signal ist ein beliebiges Messsignal, erfasst an der Schweißmaschine und hier gestreckt auf die Endlänge dargestellt.

Der zweite Signalstreifen zeigt die Situation am Messort 2 (ML2). Auf den ersten 6m gab es keine Streckung an ML2. Auf den letzten 6m wurde aber eine 100%ige Streckung festgestellt. Das Coil war also am Eingang von ML2 9m lang und am Ausgang 12m. Der Signalstreifen zeigt das Eingangslängensignal aufgetragen über die Ausgangslänge. Das Längensignal ist dasselbe wie an der Schere, da ibaQDR immer die Ausgangslänge verwendet, um die Daten an einem Messort zu erfassen.

Der dritte Signalstreifen zeigt die Situation am Messort ML1. Die Austrittslänge geht hier auf 9m. Wenn man ein X/Y-Diagramm des Längensignals Schere an ML2 mit der Eintrittslänge an ML2 erstellt, erhält man die Länge an ML1. Die Länge hat eine Steigung von 1 für die ersten 6 m und dann eine Steigung von 2 für die letzten 3m. Es gibt eine zusätzliche Streckung an ML1. Auf den ersten 3m gibt es keine Streckung, auf den letzten 6m dann eine Streckung von 100 %. Sie können dies am Längen-Eingangssignal ML1 sehen. Das Coil war am Eingang von ML1 6m lang und am Ausgang 9m.

Der vierte Signalstreifen zeigt die Situation an der Schweißmaschine. Die Ausgangslänge beträgt hier 6m. Das Längensignal an der Schere ist das Ergebnis eines X/Y-Plots des Längensignals an ML1 mit der Eintrittslänge an ML1. Auf den ersten 3 m gab es keine Streckung, sodass sich eine Steigung von 1 ergibt. Auf den nächsten 1,5m gab es eine 100%ige Streckung an ML1, so dass sich eine Steigung von 2 ergibt. Auf den letzten 1,5m gab es eine 100%ige Streckung an ML1 und eine 100%ige Streckung an ML2, sodass sich eine Gesamtstreckung von 200% und eine Steigung von 4 ergeben.

Das grüne Signal ist ein Signal, das an der Schweißmaschine abgetastet wurde. ibaQDR verwendet nun das Längensignal Schere an der Schweißmaschine, um das grüne Signal auf die Länge des Produktcoils zu strecken. Das Ergebnis ist in der ersten Grafik zu sehen. ibaQDR erwartet, dass die Ausgangslänge eines Messorts gleich der Eingangslänge am nächsten Messort ist. Ist dies nicht der Fall, streckt ibaQDR die Signale gleichmäßig. Wenn die Längendifferenz mehr als 0,5% beträgt, wird ein Info-Feld in die Messdatei geschrieben. Das Info-Feld heißt $QDR_MismatchBetweenExitAndEntryLengthAtMlx mit x als Messortindex. Der Wert des Info-Feldes ist die Längendifferenz in Prozent. Wenn der Unterschied mehr als 10 % beträgt, wird ein Fehler im Ereignisprotokoll angezeigt.