Die klassische Informationssicherheit bezieht sich zu oft nur auf den Office-IT-Bereich. Hier haben Schutzziele wie Vertraulichkeit und Integrität einen sehr hohen Stellenwert. Funktionale Einschränkungen, wie z. B. Netzwerkausfälle, Netzwerkprobleme wie Jitter bzw. Störungen von VoIP-Verbindungen oder allgemeine Fehler bei der Bildübertragung in Videokonferenzen werden dagegen eher toleriert.
Im industriellen Bereich mit Automatisierungssystemen, die mit „Echtzeitprotokollen“ kommunizieren, können Netzwerkausfälle oder die zuvor genannten Jitter schnell zu Fehlfunktionen oder Schäden an den Anlagen führen. Im schlimmsten Fall kommen dadurch Menschen in Gefahr, wenn z. B. Signale nicht rechtzeitig eintreffen. Daher hat in OT-Umgebungen das Schutzziel Verfügbarkeit einen sehr hohen Stellenwert. Neben Verfügbarkeit ist auch die Integrität sehr wichtig. Würden über eine Manipulation die Signale für Soll- und Istwert vertauscht werden, hätte dies genauso fatale Auswirkungen wie ein Ausfall! Um diese Schutzziele zu gewährleisten, darf die Sicherheit der eingesetzten Komponenten sowie deren richtige Konfiguration und der Aufbau der Netzwerke nicht außer Acht gelassen werden.

Abb. Vergleich der Prioritäten im IT- (links) und im OT-Bereich (rechts)
Des Weiteren muss beim Einsatz von Antivirus-, Firewall- oder Deep-Packet-Inspection-Lösungen in OT-Netzen darauf geachtet werden, dass Latenzen sowie der Ressourcenverbrauch durch entsprechende Konfiguration den Betrieb der Anlage nicht negativ beeinflussen.
Daher sind die technischen Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen aus der klassischen Office-IT nicht direkt 1:1 auf den industriellen Bereich abbildbar.